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Alternative Papierrohstoffe

Tagtäglich begegnen wir  Papier: Als Schreibpapier im Büro oder in der Schule, als Werbung in unserem Briefkasten oder als Hygienepapier. Holzfasern dienen bekanntlich als Grundstoff für Papier. Der stetig ansteigende Papierbedarf führt daher auch zu einer hohen  Nachfrage nach Holzfasern.  Unumgänglich ist dabei das Recycling von Papier. Dennoch lohnt es sich, an neuen Ideen zur Fasergewinnung auf pflanzlicher Basis zu forschen und zu experimentieren.

Wälder schonen, schadet nicht, im Gegenteil. Sie bieten nicht nur für zahlreiche Spezies einen Lebensraum, Laubbäume produzieren mittels Fotosynthese auch den für uns wichtigen Sauerstoff. Warum man Papier dennoch aus Holz herstellt, liegt auf der Hand. Zum einen wurden seitdem 18. Jahrhundert Erfahrungen mit dem Rohstoff gesammelt und Techniken weiterentwickelt. Zum anderen ist Holz ein nachwachsender Rohstoff. Jedoch brauchen Bäume eine lange Zeit, um nachzuwachsen. Eine Eiche beispielsweise benötigt mindestens 180 Jahre, um auf volle Größe auszuwachsen. Dennoch steigt  die Nachfrage nach Holz. Dabei gibt es Tonnen an pflanzlichen Abfällen, die nicht ausreichend genutzt oder recycelt werden. Doch kreative Köpfe aus der ganzen Welt entwickeln Strategien, um neue alternative Papierrohstoffe für die Industrie zu erschließen. So eignen sich zum Beispiel Schalen von Früchten als Holzfaserersatz.

Allem voran hört man oft von Bananenpapieren. Vor allem als Dekopapiere bei uns bekannt, ist der Einsatz dieses Rohstoffes für industriearme Länder eine gute Möglichkeit, eigenes und billiges Papier zu erzeugen. Hiroshi Morishima, ein japanischer Professor für Architektur, ließ 2002 mit Unterstützung der japanischen Regierung und der UNESCO auf Haiti Anlagen bauen, in denen die Schalen erst zermahlen und  dann aufgeschwemmt werden. Anschließend werden sie  in einen Rahmen gepresst, um zu trocken. Dabei handelt es sich um eine traditionelle japanische Variante der Papierproduktion. Diese Produktion kann ohne Strom und Chemikalien erfolgen. Außerdem wird ausschließlich ohne Maschinen per Hand gearbeitet. Daher ist diese Methode sowohl umweltschonend, als auch sehr arbeitsaufwendig.  Viele Länder nahmen sich dieser günstigen Methode der Papierproduktion an. Papier ist in den  Ländern der dritten Welt oft Mangelware, doch mit der eigenen Produktion von günstigem Papier aus Bananenschalen, wird dem abgeholfen und gleichzeitig ein Exportgut geschaffen. So verdienen diese Länder zusätzlich Geld, schaffen  Arbeitsplätze und sind nicht mehr  stark auf teurer importiertes Papier angewiesen. Das selbst hergestellte Papier bietet diesen Ländern außerdem die Möglichkeit,  Bücher herzustellen, oder Schreibmaterialien für den Unterricht an Schulen bereitzustellen. Dadurch kann es gelingen, das dort oftmals vorherrschende Problem des Analphabetismus zu bekämpfen. So wurde kurz nach Realisierung der ersten zwei Papiermanufakturen auf Haiti ein Kinderbuch produziert.

Jedoch lässt sich das Papier aus Bananenschalen nicht mit dem Papier vergleichen, das in den Industrieländern produziert und  verwendet wird. Das günstigere Bananenpapier ist sehr faserig und nicht reinweiß und entspricht damit nicht den Erwartungen und Qualitätsansprüchen der Kunden in den Industrieländern. 

Eine kleine Renaissance findet beim Hanfpapier statt. Die Papierproduktion mit Hanf war vom ersten Jahrhundert  v. Chr. bis zum 2. Weltkrieg gängig. Danach wurde die Produktion mit Holz erschwinglicher und der Marktanteil von Papier aus Hanf sank stark. Die Fasern von Hanf sind deutlich länger als Fasern aus Holz, daher bietet Hanf eine höhere Zug- und Nassfestigkeit, die man nicht mit herkömmlichen Papieren aus Holz erreichen kann. Der Ligningehalt in Hanfpflanzen ist auch geringer, sodass weniger Bleichmittel eingesetzt werden muss, um ein reinweißes Papier zu produzieren.  Zudem wächst Hanf bedeutend schneller als Holz und muss nicht mit Pestiziden behandelt werden, weil er von allein Unkraut durch dichten und hohen Wuchs bekämpft. Warum  ist Hanfpapier also so teuer?

Durch billige Holzpreise hat man in den Industrienationen fast komplett darauf verzichtet, Technologien für die Hanfernte und Weiterarbeitung zu entwickeln. Um die begehrten langen Fasern zu gewinnen, verlangt es besondere Mähmaschinen, da Hanf sehr zäh ist. Durch diese Zähigkeit ergeben sich hohe Ernteverluste von ca. 40 %, was einen geringeren Gewinn zur Folge hat. Das bedeutet einen sehr hohen Aufwand beim Anbau, da eine gute Ernte Handarbeit auf dem Feld voraussetzt. Diese ist jedoch teuer und zeitaufwendig. Lediglich Frankreich baut Hanf noch im großen Stil an, um Zigarettenpapier herzustellen. Jedoch wird durch das wachsendes Umweltbewusstsein immer mehr auf den Nutzhanfanbau zur Papierproduktion zurückgegriffen.

Letzte Änderung: 7.8.2016
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