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Bewerbung des Museums für Druckkunst als UNESCO-Kulturerbe

Leipzig galt viele Jahrhunderte lang als die deutsche Buchstadt. Heute lässt sich in  zahlreichen Museen und Ausstellungen begutachten, welche Stellung diese Stadt in der damaligen Medienwelt einnahm. Das Museum für Druckkunst ist eines davon. Die Ausstellungsstücke zeugen von hohem historischen Wert und einem erhaltenswerten Erbe für die heutige Generation. Aus diesem Grund bewarb sich das Museum für Druckkunst um die Aufnahme der Druckkünste als immaterielles Kulturerbe der UNESCO.

Was ist das immaterielle Kulturerbe?

Um traditionelles Wissen und Können auf der ganzen Welt zu erhalten und zu schützen, hat die UNESCO 2003 das Übereinkommen zur Erhaltung des immateriellen Kulturerbes, auch „lebendiges“ Kulturerbe, ins Leben gerufen. Das immaterielle Kulturerbe bezieht sich auf alle gelebten kulturellen Traditionen.

Inzwischen sind bereits mehr als 160 Staaten diesem Übereinkommen beigetreten. Dabei sind beispielsweise Albanien, Spanien, Ungarn, Katar und auch auf den ersten Blick eher außergewöhnliche Staaten wie Togo, Gambia oder Malawi, die mit der Aufnahme ihrer einzigartigen Traditionen in das Verzeichnis des immateriellen Kulturerbes ausgezeichnet wurden.

Zu den Ausdrucksformen des immateriellen Kulturerbes gehören etwa Tanz, Theater, Musik und mündliche Überlieferungen wie auch Bräuche, Feste, Naturheilkunde und Handwerkstechniken. Zurzeit befinden sich bereits 34 Einträge im bundesweiten Verzeichnis des immateriellen Kulturerbes. National werden hier zum Beispiel die Morsetelegraphie oder auch die deutsche Brotkultur aufgelistet.

International wurden auch Tauzieh-Rituale und -Spiele aus Kambodscha, das französische Essen und auch ungewöhnlich anmutende Beispiele wie das Kamel-Besänftigungsritual aus der Mongolei in das Verzeichnis aufgenommen. Jährlich soll dieses Verzeichnis weiter wachsen und über Jahre hinweg die große Vielfalt kultureller Ausdrucksformen aufzeigen, fördern und erhalten.

Die Entwicklung des bundesweiten Verzeichnisses des immateriellen Kulturerbes ist ein mehrstufiges Verfahren, an dem die Bundesländer, die Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien, das Auswärtige Amt und die Deutsche UNESCO-Kommission zusammen wirken.

Die insgesamt zweite Vorschlagsrunde lief vom 2. März 2015 bis zum 30. Oktober 2015.

Voraussichtlich 2017 werden in den Bundesländern wieder neue Bewerbungen um die Aufnahme in das bundesweite Verzeichnis entgegennehmen. Bewerben können sich alle Praktizierenden einer schützenswerten, kulturellen Ausdrucksform im Sinne des UNESCO-Übereinkommens zum Schutz des immateriellen Kulturerbes.

Die Kultursenate jedes Bundeslandes  treffen zurzeit eine Auswahl von bis zu vier Vorschlägen aus den zahlreich eingegangenen Bewerbungen. Diese werden anschließend an das unabhängige Expertenkomitee Immaterielles Kulturerbe der Deutschen UNESCO-Kommission (DUK) weitergeleitet, welches die eingegangenen Vorschläge nochmals nach fachlichen Kriterien prüft und auswertet. Das Expertenkomitee besteht unter anderem aus dem DUK-Generalsekretär, Kulturstaatssekretär beim Ministerpräsidenten von NRW a. D., vielen Dozenten bekannter deutscher Universitäten und Hochschulen u.v.m.

Die Auswertung der Anträge für die jetzige Auswahlperiode wird im Sommer 2016 beendet sein. Anschließend  bestätigen die ständige Konferenz der Kultusminister der Länder (KMK) und der Beauftragte der Bundesregierung für Kultur und Medien (BKM) die Auswahl des Expertenkomitees.

Die Bewerbung des Druckmuseums

© Museum für Druckkunst Leipzig

Auch das renommierte Museum für Druckkunst in Leipzig bewarb sich mit der aktiven Erhaltung, Anwendung, Förderung und Vermittlung des Wissens über die handwerklich-künstlerischen Druckverfahren Hochdruck (Bleisatz und Xylografie), Flachdruck (Phototypie und Lithografie) und Tiefdruck (Kupferstich und Radierung) um die Aufnahme in das Verzeichnis des immateriellen Kulturerbes.

Dadurch soll auf diese wichtigen ehemaligen Handwerkskünste aufmerksam gemacht werden. Aufgrund dessen, dass heutzutage immer mehr Publikationen und Informationen digital bereitgestellt werden, gehe laut Dr. Susanne Richter, Direktorin des Museums für Druckkunst Leipzig, das Fühlbare und Sichtbare verloren. Die Drucktechnik ist ein sehr wichtiges Kulturgut, welches es zu bewahren und zu schützen gilt. Sie war eine der bedeutsamsten Erfindung überhaupt und ist zudem auch eine Grundlage für unsere heutige Demokratie und Informationsvielfalt. Diese Vielfalt der Drucktechniken kann derart aktiv und umfassend nur hier in Leipzig erlebt werden.

Nach erneuter Beantragung im Herbst 2015 ist das Museum nun in den Kreis der vielen Bewerber aufgenommen worden. Derzeit befindet sich der Antrag noch in Beratung.

Mit einem Eintrag als immaterielles Kulturerbe würde das Museum für Druckkunst Leipzig anderen sächsischen Traditionen wie dem Köhlerhandwerk und dem Vogtländischen Musikinstrumentebau folgen. Auf erste Ergebnisse darf man im Herbst 2016 gespannt sein.

Von diesen Zukunftsentscheidungen abgesehen, lohnt sich ein Besuch dieses Museums sowohl für Fachleute als auch für Interessierte.

Letzte Änderung: 5.3.2016
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