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GOTT GRÜß' DIE KUNST!

Traditionspflege an der HTWK Leipzig.

Wenn an der Hochschule in Leipzig bei den „Medianern“ zeremonielle Klänge ertönen, Studierende und so manche Professoren in kühles Nass getaucht werden und das Ganze mit Spaß, Gelächter, kühlen Getränken sowie heißer Bratwurst begutachtet wird, dann ist es wieder so weit: Das traditionelle Gautschfest, im Rahmen des Sommerfestes der Fakultät Medien, wird veranstaltet. 

Das Brauchtum des Gautschens wird seit dem 18. Jahrhundert durchgeführt. Dabei stammt der Begriff aus der Papierherstellung und beschreibt das erste Pressen des Papieres, nachdem es aus dem sogenannten „Bottich“ geschöpft wurde, um das überschüssige Wasser zu entfernen. Da das Wort, den „Jüngern der Schwarzen Kunst“ gefiel, wurde die zeremonielle Aufnahme in die Druckerzunft fortan als Gautschen bezeichnet. Bei diesem Akt wird der „Kornut“ (Lehrling) auf Kommando des „Gautschmeisters“ von dessen Gehilfen, den sogenannten „Packern“, gepackt und in einen Bottich voller Wasser getaucht. Dies dient zur äußeren Reinigung. Anschließend wird der „Gautschling“ auf einen nassen Schwamm gesetzt. Ihm wird nun ein Trank mit geheimnisvoller Rezeptur eingeflößt, wodurch der „Kornut“ von innen gereinigt wird. Danach ist der Lehrling von all seinen Sünden und schlechten Angewohnheiten gereinigt und kann in den Stand des Druckergehilfen aufsteigen. Beurkundet wird das ganze durch den „Gautschbrief“ (eine Urkunde, angelehnt an das Format und die Gestaltung des Gutenbergs-Bibel-Druck), der früher oft mehr wert war als das Lehrlingszeugnis.

Im späten Mittelalter war das Ritual zur Aufnahme in die „Schwarze-Zunft“ um einiges gröber. Allein die Aufnahme einer Lehre als Drucker unterlag strengen Verordnungen bzw. Aufnahmevoraussetzungen und war außerdem noch sehr teuer. Voraussetzung war unter anderem die beurkundete „eheliche Geburt“, die Aufnahmebürgschaft, sowie das „Wohlverhalten“ des Lehrlings, auch angesichts derber, schikanöser Behandlungen seitens des Ausbilders. War die Lehrzeit von vier bis sechs Jahren überstanden, folgte das sogenannte „Postulat“, das eigentliche Initiationsritual. Hiernach wurden die Lehrlinge in die Gemeinschaft der ausgelernten „Gehilfen“ aufgenommen. Die Zeremonie ist jedoch nicht mit dem heutigen Gautschakt zu vergleichen. Die „Kornuten“ (lat. Hornträger) wurden die Hörner abgeschlagen, die Nägel gefeilt, ein Zahn gezogen und deren Haare gestutzt. Das alles wurde mal mehr, mal weniger symbolisch durchgeführt. Anschließend gab es eine tagelange „Zecherei“ (Feier), die der Lehrling bezahlen musste. Deshalb musste dieser schon während seiner Lehre immer wieder Geld an seinen Meister abzweigen, um für das „Postulat“ zu sparen und auch überhaupt in der Lehre geduldet zu werden. Diese Tradition wurde jedoch Ende des 17. Jahrhunderts glücklicherweise verboten und durch das heutige Gautschen ersetzt.

Diese fröhlichere Variante des Gautschens wird auch in diesem Jahr wieder an der HTWK durchgeführt. Am 21. Juni 2017 findet das Sommerfest der Fakultät Medien statt. Diesmal unter dem neuen Namen: „MedienGAU’tsch – Fakultätsfest ’17“. In die „Schwarze-Zunft“ der Drucker werden alle aufgenommen, die erfolgreich an einem Bleisatz Praktikum teilgenommen haben und das Gautschen über sich ergehen lassen. So heißt es dann bald an der HTWK Leipzig: "Packt an! Lasst den Corpus Posteriorum fallen auf diesen nassen Schwamm bis triefen beide Ballen! Der durst´gen Seel´ein Sturtzbad gebet obendrauff, das ist für uns´re Zunftgenossen die allerbeste Tauff!" (Auszug des Gautschbriefes)

Letzte Änderung: 21.5.2017
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